Die Inschriften am Kirrlacher Kirchturm werden 515 Jahre alt

 



(Bild/Grafik: Liebl)
 


Die meisten christlichen Kirchen haben neben dem Kirchenraum einen Kirchturm – so wie viele Moscheen ein Minarett. Der Turm ist von weit her sichtbar und zeigt den Gläubigen, wo sie sich zum Gottesdienst treffen können. Der Kirrlacher Turm, zumindest die untere Hälfte des heutigen Turms, ist das älteste Kirrlacher Gebäude. Der Turm war zur Bauzeit zugleich Haupteingang zur ebenfalls neu erbauten Kirche, die damals geostet war. Der Altarraum befand sich in Richtung heutigem Schulhof der Goetheschule.

Wer sich mit den historischen Archiven beschäftigt, der erkennt schnell, dass die Kirrlacher Inschriften am Turm schon immer das Interesse der Heimatforscher erweckten. Sie erlauben uns auch nach über 500 Jahren die Datierung des Gebäudes und verweisen auf den Bauherren, Bischof Philipp von Rosenberg. Die obige Grafik zeigt die Inschrift im Original (fotografiert vor wenigen Tagen), als Skizze (aus den über 200 Jahre alten Gerichtsakten im Generallandesarchiv Karlsruhe zum Baustreit, der rund 50 Jahre dauerte), sowie in einem Fachbuch für Kulturdenkmäler (aus dem Jahre 1913).

Die Bedeutung war lange nicht komplett verständlich. Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe (1980) kommt bis auf die Jahreszahl zu folgender Einschätzung:

ANNO 1 5 0 4 / INCEPTV(M) EST HOC / OPVS / ALTERA LAVRE(N)CY /

Im Jahr 1504 ist das Werk angefangen worden (am Tag) nach Laurentii

Bedeutung: 11. August 1504

Die Ausführung der Schrift orientiert sich an der frühhumanistischen Kapitalschrift.

Bezüglich der Jahreszahl wird auch manchmal 1507 erkannt (Hans Joseph Mone, Historiker, Karlsruhe, 1827)