
Diese über 200 Jahre alte Karte von St. Leon ist sehr
aufschlussreich (Komplettbild der Karte folgt nächste Woche). Die
Hauptstraße nach Kirrlach (im Bild links unten) ist die heutige
Häuserstraße, die damals nach Kirrlach führte. Sie ist ein Parallelweg
zur heutigen Kirrlacher Straße in St. Leon, die es damals noch nicht
gab. In Kirrlach gab es auch noch nicht die St. Leoner Straße. Diese
wurde erst ab ca. 1860 ausgebaut. Die heutige Verbindungsstraße
zwischen Kirrlach und St. Leon lag damals einfach zu tief (... und
damit im Nassen ...)
Foto: Archiv Liebl |
Es ist völlig korrekt, dass es mehr als nur eine Wegescheide im
Kirrlacher Feldwegenetz gibt. Man kann aber davon ausgehen, dass alle
Wege, die durch größere oder tiefere Senken verlaufen, neuern Datums
sind, weil sie in der frühen Besiedlungsphase schlicht mehr oder
weniger oft im Wasser standen. Mit anderen Worten: Die höchstgelegene
Wegescheide mit den höchstgelegenen Verbindungswegen sollte mit
größter Wahrscheinlichkeit auch die älteste Wegekehre sein.
Es war in der frühen Besiedlungsgeschichte durchaus üblich, dass man
auf Parallelwege angewiesen war, die oft nur 100 oder 200 m entfernt
entstanden. Vor allem, weil die Fuhrwerke und Kutschen auf dem meist
unbefestigten Untergrund der Wege einsinken konnten, insbesondere nach
Regenfällen oder nach regem Gebrauch eines Streckenabschnittes. Auch
hier gilt: Der jeweils höchste Weg dürfte mit größter
Wahrscheinlichkeit der älteste Weg sein, weil er zuerst wieder trocken
war, während tiefer gelegene Wege wohl erst im Laufe der gezielten
Entwässerung und Trockenlegung regelmäßig und dauerhaft nutzbar
wurden.
Das Gelände wurde nicht von menschenhand geschaffen, sondern
zunächst ausschließlich von der Natur. Und die hat sich für diesen
"Haken" entschieden, der als Querungshilfe durch die Niederterrasse im
Rheingraben nicht gebaut werden musste, sondern einfach da war.
- Wieso hören viele alte Wege im Wald heute einfach auf?
Das hat viele Gründe. Ein wesentlicher Umstand ist das
fürstbischöfliche Richtwegesystem im Lußhardt, welches vor 300 Jahren
angelegt wurde. Fürstbischof Schönborn verbot bei Strafe auch die
Nutzung alter Waldwege.
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