Rückfragen (5. Fortsetzung)

(Mitteilungsblatt vom 21. Mai 2021)



Die Skizze zeigt in etwa den Standort des alten Kirrlacher Rathauses mit Schule vor der Kirche, entnommen einer bemaßten Planskizze von Peter Wirth aus dem Jahr 1814 in Verbindung mit Planungen zum Kirchenneubau
Foto: Archiv Liebl

 
  • Warum war der heutige Abzweig von der Unterdorfstraße Richtung St. Leon kein Verkehrsknoten?

Die heutige St. Leoner Straße ist (wie das Ziel, d.h. die Kirrlacher Straße in St. Leon) eine heimatgeschichtlich betrachtet neue Route. Die natürlichen Senken im Bereich der heutigen Werderstraße, der Rheinstraße und der Dreisamstraße machten früher ein Durchkommen an dieser Stelle schwierig. Nicht ohne Grund waren diese Zonen Teil der Sperrbereiche der ersten Hochwassergefahrenkarten für Kirrlach. Dass man dort heute „gefahrenlos" wohnen kann, liegt an Baumaßnahmen der letzten Jahrzehnte (und Jahrhunderte), insbesondere am Gießgraben und den Kriegbachdämmen, aber auch an den künstlichen durch Straßenbau enstandenen Dämmen (Hinweis: Die Neuberechnung und Aufhebung dieser Sperrbereiche folgte auf Drängen des Heimatvereinsvorsitzenden Roland Liebl. Im ersten Entwurf der Hochwassergefahrenkarte waren die künstlichen Eingriffe durch Menschenhand bei der Modellierung nur sehr lückenhaft aufgenommen worden, so dass „nur" der natürliche Geländezustand abgebildet wurde).

Vor gut 200 Jahren (vergl. Bild) stand auf dem Verlauf der heutigen St. Leoner Straße teilweise noch das damalige Rathaus und Schulgebäude (Rath. et Schulhaus). Nach dem Abbruch des Gebäudes begann die bauliche Erschließung des Neubaugebietes (Kaiser-Wilhelm-Straße, Rosenstraße, St. Leoner Straße). Die zugrunde liegende Karte von Peter Wirth aus dem Jahr 1814 zeigt auch den damaligen Friedhof und die Zugänge zur Kirche. Diese Wege waren ausschließlich südwestlich orientiert. Das Rathaus mit Schulgebäude (im Bild orange gefärbt) war demnach der östliche Ortsrand vom bewohnten Kirrlach.

Wie Kronau von Kirrlach aus erreicht wurde (vergl. Vorwoche), lässt sich augenblicklich noch nicht exakt rekonstruieren. Die „Alte Straße" beim Gasthaus zum Ochsen verläuft jedenfalls zu weit südlich, denn Kronau war früher nur nördlich der Schleußlach trockenen Fußes erreichbar.